Problematik OSB-Platten

Holzprodukte emittieren für einen Zeitraum von einigen Monaten natürliche inhaltsstoffe wie Alpha-Pinen, Beta-Pinen, Limonen, etc., mit einem Pegel, der manchen Hausherstellern, die den nachwachsenden Rohstoff Holz verwenden wollen, Schwierigkeiten bereitet, die Empfehlungen des Umweltbundesamtes bzgl. Raumluftqualität zu erfüllen. Bei allen bisherigen Bewertungssystemen (AgBB, Minergie ECO, DGNB, Sentinel-Haus, Gute Innenraumluft Schweiz, Wohnmedizinisch empfehlenswert… ) für die Raumluft wird nicht unterschieden, ob die Quellen künstlicher oder natürlicher Herkunft sind. Hier wird diskutiert, inwieweit reine Massivholzprodukte eine längere Abklingzeit beim Zulassungsverfahren für Baustoffe nach dem sogenannten AgBB-Schema, einem Emissionsprüfverfahren über 28 Tage, zugestanden bekommen könnten. Zur Verdeutlichung, hier geht es um echte Natursubstanzen, die den Duft von frischem Nadelholz erzeugen.

Bei OSB-Platten ist die Situation nochmals völlig anders. Auf der Kleberseite besteht weiterhin die final ungeklärte Isocyanat-Problematik durch den PU-Kleber. Es war in der Fachwelt rund ums Umweltbundesamt, inkl. den anwesenden Toxikologen unstrittig, dass durch bestimmte VOCs ein ordentliches Gefährdungspotential vorliegt. OSB-Platten bestehen immer aus dem preiswerten Kiefernholz, was einen höheren Harzgehalt hat, als das teurere Fichtenholz. Beim Herstellungsprozess der OSB-Platten kommt es unter Druck und Hitze zu einem thermo-chemischen Umbau der eigentlich unproblematischen Holzinhaltsstoffe hin zu einem komplexen Gemisch an höheren Aldehyden, wie z.B. Hexanal, was u.a. auch in Kunstharzfarben enthalten ist.

Problem dabei ist, dass das Ausgasungsverhalten der fertigen OSB-Platten in üblichen Zeiträumen, d.h. einigen Monaten, nicht signifikant abnimmt. In dem Fachgespräch wurden zwei Gebäude vorgestellt, in denen ein Zimmerer bzw. Haushersteller in großem Umfang OSB-Platten verbaut hat und wobei TVOC-Summenwerte von 23.000 bzw. 28.000 μg/m³ aufgetreten sind. Beide Häuser sind schon seit Monaten unbewohnbar, nicht nur für gesundheitlich angeschlagene Menschen. Das Umweltbundesamt beurteilt Wohnräume mit einem TVOC-Pegel zwischen 3.000 und 10.000 μg/m³ als hygienisch bedenklich, zwischen 10.000 und 25.000 als hygienisch nicht akzeptabel. Bei Werten über 25.000μg/m³ ist generell von der Nutzung abzusehen. Mittlerweile blicken wir bei Baufritz auf eine Erfahrung aus mehr als 800 Raumluftmessungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten zurück.

Wir bewegen uns bei unseren Raumluftmessungen zwischen 200 und 1500 μg/m³ für den TVOC-Summenwert je nach Messzeitpunkt und je nachdem, ob das Gebäude schon möbliert ist. Vor dem Hintergrund, dass Baufritz-Gebäude nach unterschiedlichen etablierten Zertifizierungssystemen hinsichtlich der Wohngesundheit, wie z.B. Sentinel, DGNB, Minergie Eco, GI, zertifizierbar bleiben sollen, ist nachvollziehbar, warum Baufritz keine OSB-Platten einsetzt und für die Tragkonstruktion das emissionsärmere, aber teurere Fichtenholz verwendet.

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